Arne Völker, Texter

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Einträge der Kategorie »Sprache«


Ich google trotzdem

Aug 2006
16

Googles Anwälte sagen, wir sollen nicht googeln. Meinen aber, wir sollen einfach nicht sagen, dass wir googeln. Sondern sagen, wir suchten mit Google. Hat sich bei Google irgendwer überlegt was passiert, wenn wir ihre Anwälte beim Wort nehmen und tatsächlich nicht mehr googeln?


Manche Ideen brauchen kein Brainstorming

May 2006
18

Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe mich redlich bemüht, noch andere Ideen zu sammeln – aber genau das ist und bleibt mein Vorschlag für das Brainstorming: Ideen sammeln. Wenn Sie darauf bestehen, dass der Vorschlag aus einem einzigen Substantiv bestehen muss, dann eben Ideensammlung. Weniger -ungs und mehr Verben könnten der deutschen Sprache allerdings genau so wenig schaden wie weniger Anglizismen. Herzlich, Arne Völker

Da gab’s kein langes Zögern: Ich teile die Meinung von Ines, dass man nicht lange Ideen sammeln muss, wenn man einen Ersatz für den Anglizismus Brainstorming sucht – wie das die Aktion Lebendiges Deutsch jeden Monat wieder für die drei Wörter des Monats tut.

Na gut, man hätte noch kurz überlegen können, ob’s auch eine Gedankensammlung tut, wie das Christian bei mir in den Kommentaren vorgeschlagen hatte. Jedoch: Von einer Idee zu sprechen gibt dem Ganzen so etwas Erhabenes, und damit dem Sammeln einen Sinn. Oder etwa nicht?


Nur korrekt nützt auch nichts

May 2006
12

Sicher: korrektes Deutsch ist häufig schon der beste Weg zu gutem Deutsch. Doch mit Korrektheit allein ist es noch lange nicht getan. Auf allein diese Begründung setzt aber, gewohnt oberlehrerhaft, die Aktion Lebendiges Deutsch bei ihrer Suche nach den Wörtern des Monats:

Mit 3418 Vorschlägen haben sich 2015 Deutschsprachige aus 22 Staaten an der Einladung der Aktion „Lebendiges Deutsch” beteiligt, sich ein deutsches, ein besseres Wort für den AIRBAG auszudenken. „Luftkissen” hieß das häufigste Angebot. Warum hat die Jury sich dann trotzdem für „PRALLKISSEN” entschieden? Weil „Luft” so irreführend ist, wie „air” schon immer war: Es ist Stickstoff, der da von einem Gasgenerator explosionsartig aufgeblasen wird.

Für «bag» statt Tasche fortan «Kissen» zu sagen kann ich voll unterstützen. Nicht nur, weils richtiger ist. Auch, weils den Nutzen sinnlich begreifbarer macht. Die Übertragung des Teils mit «air» hat die Aktion Lebendiges Deutsch inhaltlich sehr merkwürdig begründet: Es mag ja stimmen, dass die Luft im Airbag schon immer aus Stickstoff bestand. Das wäre aber nur der Grund dafür, statt Luftkissen fortan Stickstoffkissen zu sagen.

Irgendwer in der Jury muss aber doch über belehrendes Wissen hinaus auch so etwas wie ein Sprachgefühl gehabt haben. Denn gewählt wurde ja das Wort Prallkissen. Super Ansatz, finde ich, leider wieder im Korrekten steckengeblieben: denn nun ist Prallen durchaus das, was ich auf das Kissen tue. Oder die Gelegenheit, bei der sich das Kissen frei entfalten kann. Aber den Nutzen, den kenne ich noch immer nicht.

Deshalb hatte ich Schutzkissen vorgeschlagen, ersatzweise Sicherheitskissen. Aber so denken wahrscheinlich nur Werber. Und meine Leser wie Blogger Christian, der hier in den Kommentaren das Schutzkissen in die Diskussion geworfen hatte.

In diesem Sinne: Auf in die Hirnfreiheit der nächsten Runde, liebe Leser. Da gehts nämlich um einen Ersatz fürs Brainstorming. Was meint ihr?


Der Airbag ist geplatzt

Apr 2006
18

Nach dem Countdown und dem Black-out geht es jetzt dem Airbag an den Kragen. Für diese beiden Anglizismen hat die Aktion Lebendiges Deutsch in den letzten Runden öffentlich Vorschläge sammeln lassen – und als Ersatz die deutschen Wörter Startuhr und Aussetzer herausgefiltert. Für die dritte Runde ist ein Wort gesucht, das im Auto den Airbag ersetzt. Das hier war mein Vorschlag:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich Ihnen einen würdigen Ersatz für den Airbag anbieten zu können: das Schutzkissen. (Oder als zweite Wahl, weil an Silben länger, ein Sicherheitskissen.) Mit freundlichen Grüssen, Arne Völker

Was meint Ihr?


Der Mac muss durch den Dreck

Apr 2006
06

«Ihr werdet mich dafür lieben, dass ich eure Ärsche durch den Dreck geschleift habe.»

So oder so ähnlich kennt man es aus Hollywood, wenn Soldaten über sich ergehen lassen, was sich Ausbildung nennt. Die Amerikaner haben dafür einen besonderen Namen: Boot Camp.

Boot Camp ist also, widerspruchsfrei all das zu machen, was der Drill Instructor anordnet. Gesicht in den Dreck, mit Klamotten durchs Eiswasser oder auf dem Mac Windows installieren. Das nämlich ist, was uns jetzt ins Haus steht: Seit gestern kann man Apples Programm Boot Camp herunterladen. Mit dem läuft Windows XP auf den Intel-Prozessoren der neuen Macs. Und ab der nächsten Version Mac OS X «Leopard» wird Boot Camp schon gleich ins Betriebssystem integriert.

Soll uns das einen Vorgeschmack darauf geben, dass Sergeant Bill Gates nur darauf wartet, unser Drill Instructor zu sein, wenn Steve Jobs uns, seine Jünger, ins Boot Camp schickt? Selten habe ich so eine blöde Namenswahl für ein Produkt gesehen. Oder habe ich recht mit meinem Szenario, und der Name ist gar nicht so blöde?


Dieser Aussetzer war kein Aussetzer

Apr 2006
03

Ich weiss ja nun nicht, ob meine verspätete Einsendung vom 15. März noch mitgezählt hat. Aber richtig war sie allemal, findet die Aktion Lebendiges Deutsch und erklärt das deutsche Wort «Aussetzer» zur ersten Wahl wenn es darum geht, den Anglizismus «Black-out» zu ersetzen.

Mit meinem Vorschlag lag ich nicht ganz allein. Im Gegenteil: 368 mal wurde Aussetzer als passender Ersatz für Black-out vorgeschlagen, in etwas mehr als einem Fünftel der insgesamt 1759 Einsendungen. Besonders originell war ich also nicht. Aber oft ist gutes Deutsch eben einfach richtiges, einfaches und klares Deutsch – und nicht viel mehr. Aber eben auch nicht weniger.

PS: Für die nächste Runde ist ein Ersatz für den Airbag gesucht. Natürlich nicht für den hilfreichen Gegenstand im Auto, den man hoffentlich nie sieht, sondern für den englischen Begriff. Was meint ihr? Luftsack? Unfallkissen? Platzblase?


Ich hatte einen Aussetzer

Mar 2006
15

Das muss ich jetzt mal laut sagen. Nicht nur, damit ich weiss, wie’s klingt. Denn das Wort «Aussetzer» möchte ich der Aktion Lebendiges Deutsch vorschlagen als Ersatz für den Anglizismus «Black-out». Ich muss es auch deshalb laut sagen, weil ich den Einsendeschluss verpasst habe. Der wäre nämlich am 14. März gewesen. Also gestern. Und deshalb muss ich mich jetzt beeilen, der Stiftung Deutsche Sprache meinen Vorschlag doch noch zu mailen, damit er gewinnen kann:

Sehr geehrte Damen und Herren, wie schon im letzten Monat, als Ersatz für den Countdown gesucht war, braucht es auch für den Black-out mitnichten einen neuen Ausdruck. Für alle Bedeutungen des Wortes Black-out gibt es bereits ein taugliches deutsches Wort. Und zwar nicht nur die für geistigen – auch für elektrischen. Es heisst «Aussetzer». Mit freundlichen Grüssen, Arne Völker

Zur Historie: Letzten Monat ging’s dem Countdown an den Kragen – und heraus kam die Startuhr.


Startuhr statt Stoppuhr

Mar 2006
06

Startuhren sind schon seit langem Geräte, die man im Wettkampfsport einsetzt. Also überall dort, wo Sportler in Bewegung gesetzt werden. Genauso, wie ein Countdown auf den Abschuss einer Rakete hin zählt.

Nun ist das Wort «Startuhr» auch das Ergebis der Aktion, auf das ich seit dem 14. Februar gewartet habe. Da war nämlich der Einsendeschluss der letzten Runde der Aktion «Lebendiges Deutsch» – und gesucht war ein deutsches Wort als Ersatz für «Countdown».

Ich hatte «Frist» vorgeschlagen (siehe auch «Letzte Frist für den Countdown»), ein super Wort für all die Fälle, wo ein Countdown läuft und also Zeit bis zum Handeln abläuft. Aber in Deutschland, einem Land, in dem ab sofort alle Gläser halbvoll sind und nie wieder halbleer scheinen werden, braucht es natürlich nicht nur ein kurzes und gutes Wort als Ersatz – nein: es braucht auch ein optimistisches Wort.

Und optimistisch, nun, das ist die Startuhr. Weist sie doch den Weg zu neuen Rekorden. Oder gar zur Weltmeisterschaft?

PS: Bis zum 14. März geht die nächste Runde, gesucht ist Ersatz für «Blackout» – und zwar nicht in der Bedeutung «Stromausfall», die ist ja klar; sondern für eine kurze Bewusstseinsstörung. Vorschläge an deutschesprache@gmx.net. Oder an mich, gleich hier in den Kommentaren.


Alles neu macht der März

Mar 2006
03

10 Jahre nach der Reform kommt die Reform: die neue Rechtschreibung wird jetzt noch neuer. Oder wird sie ein bisschen älter? So nämlich scheint es. Was jetzt eher mit Erleichterung als mit Jubel aufgenommen wird, ist eine Versöhnung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Endlich muss sich niemand mehr ganz verweigern, nur weil die ursprüngliche Rechtschreibreform schlecht war. Oder eine Reform hochhalten, die den Namen nicht verdient hatte.

Was ich jetzt allerdings Gross und was klein schreiben soll, und ob ich zusammenschreiben doch lieber getrennt schreibe, das weiss ich immer noch nicht. Für Schüler gibt es – irgendwer jubelt eben doch! – wieder ein Jahr General-Amnestie. Die will ich für mich auch!

Hier mehr lesen: NZZ online. Oder dieses Video gucken: ARD Nachtmagazin


Sind wir nicht alle ein bisschen Texter?

Feb 2006
24

Und schon wieder einmal wurde der Beweis geführt, dass es Werbetexter im Grunde nicht wirklich braucht. Heute von einer Berliner Reinigungsfirma*, die – ausser mit dem Text – auch keine Probleme mit der Sauberkeit ihres weissen Autos hat:

*Name der Redaktion bekannt


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