Sollte ich vor sechs Jahren tatsächlich ein Land verlassen haben, das sich jetzt doch mal bewegen möchte? Man könnte ja glauben, jetzt passiert was. Die Schweizer Werber jedenfalls schauen neidisch auf den grossen Bruder, da nämlich würden Werbeagenturen verzweifelt Personal suchen, schreibt das Schweizer Fachblatt Werbewoche beim deutschen werben und verkaufen ab.
Dabei hat Günter Jauch in sterntv ja gerade erst letzte Woche bemerkt, dass Österreich das Land sei, wo jetzt die deutschen Kellnerinnen hingingen zum Arbeiten. Als ich vor sechs Jahren gegangen bin, hat er mich nicht vermisst. Der Arbeitsmarkt auch nicht. Ein paar Freunde haben mich vermisst.
Inzwischen stellen die Deutschen die grösste Bevölkerungsgruppe unter den Ausländern in der Schweiz. Aus Deutschland kommt die grösste Zuwanderung, noch vor Portugal (mehr dazu in der NZZ) - und ich wurde das ganze Jahr hindurch bei openbc immer wieder von Deutschen angesprochen, die sich dieser Gruppe anschliessen wollen. Sind das diejenigen, die nicht bemerkt haben, dass jetzt ein Ruck durch Deutschland geht? Oder geht gar kein Ruck durch Deutschland?
«Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen», forderte 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog zum Start der damaligen Kampagne deutschland-packts-an.de Klickt mal drauf, dann seht ihr, was in Deutschland passiert: Die eine Kampagne verabschiedet sich. Die nächste kommt. Nicht einmal automatisch weitergeleitet wird man.
Konsequenterweise redet die neue Kampagne weder von «anpacken» noch von «tun» überhaupt. Deutschland tut nichts mehr, es ist einfach noch. Zum Glück bist du Deutschland, nicht ich.
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PS: Es gibt allerdings Deutsche, die tun durchaus was. Zum Beispiel Johnny Haeusler. Der erklärt, damit nicht nur Schweizer und Österreicher fassungslos den Kopf schütteln können, das Phänomen «Du bist Deutschland» auch auf englisch: spreeblick.com über «You Are Germany»