Wenn ich auf i.ch-b.in schon T-Shirts verkaufe, dann wollte ich doch wenigstens auch ein wenig mehr darüber herausfinden, wie das Business mit den T-Shirts so läuft. Denn spreadshirt.net macht es einem zwar vergleichsweise leicht, mit eigenen Designs einen Shop aufzumachen. Aber dann weiss man eigentlich noch immer nichts…
Was ich deshalb inzwischen über die Vor- und Nachteile verschiedener Druckverfahren erfahren habe, werde ich euch nur auf Anfrage offenbaren. Ein paar Erkenntnisse über den globalen Markt der T-Shirts sind allerdings für jeden wertvoll. Vor allem, wenn man die so toll zwischen zwei Buchdeckel gepackt bekommt wie von Pietra Rivoli in «Reisebericht eines T-Shirts. Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft»
Da erfahren wir nicht nur etwas darüber, wie der Stoff für Rivolis T-Shirt in China gewebt und ihr T-Shirt zusammengenäht wird. Wir erfahren vor allem etwas über die Arbeits- und Lebensbedingungen in China. Ich überrasche: 150 Dollar Lohn pro Monat, das klingt aus meiner Perspektive extrem ärmlich. Soll aber immer noch das dreifache von dem sein, was man in China auf dem Dorf verdienen könnte. Und bietet deshalb die Chance, ein echtes Vermögen zu bilden - für chinesische Verhältnisse. Und das durchaus nicht durch den Einsatz von 16 Stunden pro Tag, sondern mit ganz zivilen Arbeitszeiten. Politisch hat die (meist weibliche) Textilarbeiterin aber immer noch nichts zu sagen.
Mit solchen Beobachtungen bringt Rivoli die gerne wiedergekäuten Vorurteile vom Sweat-Shop-Unwesen ein bisschen durcheinander. Denn Rivoli zeigt die unangenehmen Seiten - führt aber auch immer wieder vor, warum Mädchen vom Lande gerne Jobs in Bedingungen annehmen, die wir für unwürdig halten. Nämlich, weil sie es anscheinend für deutlich würdevoller halten, in der Stadt ihr Schicksal selber zu bestimmen.
Ebenso abseits von der Argumentation des neoliberalen Ökonomen wie des populistischen Globalisierungsgegners berichtet Rivoli auch von den drei anderen Stationen im Leben ihres T-Shirts: der Baumwollernte (Wie um Himmelswillen kommt es, dass das teure Texas mit Billiglohnländern konkurrieren kann?), der Einfuhr und Vermarktung in den USA (Wie um Himmelswillen kann eine Regierung, die immer von freiem Handel redet, so eine gigantische Zollbürokratie aufbauen?) und der Verwertung von Second-Hand-T-Shirts in Tansania (Wie kommt es, dass es Afrikaner gar nicht so würdelos finden, die Reste der Westler aufzutragen?)
Alles in allem: Extrem empfehlenswerter Lesestoff für Freunde gepflegten Querdenkens abseits der wiedergekäuten Vorurteile - so gut geschrieben, das man’s auch am Strand leicht aufnehmen kann. Wenn auch vielleicht nicht alles so gut verdauen. Am besten gleich hier über amazon.de bestellen.