Seit Generationen stellen sich Journalisten (natürlich nur solche, die ihren Job gut machen) diese Frage, wenn irgendwo auf der Welt mal wieder ein neuer Krisenherd auftaucht:
Sollen wir die Menschen, die gegen die Regierung kämpfen, Terroristen nennen? Oder ist die Regierung böse, und die Kämpfer sind darum Freiheitskämpfer?
Jetzt macht sich der Schweizer Bundesrat auf, zu den bösen Regierungen gehören zu wollen.
Er will nämlich mit einer Revision des Bundesgesetzes gegen unlauteren Wettbewerb Unberechtigte davon abhalten, mit der Euro 2008 zu werben. Dazu soll im Gesetz stehen, dass «schmarotzerische Werbung» verboten ist. (siehe persoenlich.com)
Damit soll die rechtliche Grundlage geschaffen werden zu verbieten, was mit dem jetzigen Verständnis von Markenrecht nicht zu begründen ist. So lehnte der Deutschen Bundesgerichtshofs vor kurzem ab, dass Begriff «Fussball WM 2006» eine geschützte Marke sein könne, da er bloss die Bezeichnung für eine Sportveranstaltung sei.
Juristen halten das Adjektiv «schmarotzerisch» für unwirksam, weil unklar und ungeeignet, einen Straftatbestand abzugrenzen. Ich finde das Wort «schmarotzerisch» durchaus wirksam, trifft damit doch die Schweizer Regierung ein klare moralische Aussage. Nämlich, dass sie Werbung ohne gekauftes Markenrecht so böse findet wie Einbruch, Überfall oder Meuchelmord.
Passenderweise nennt sie deshalb das, was die meisten von uns als «Guerilla-Marketing» kennen, in ihrem Gesetzentwurf «Ambush-Marketing». So schnell geht’s, und schon wird aus dem freundlichen Freiheitskämpfer ein hinterhältiger Heckenschütze. Also ein Terrorist, den man dringend vom Dach holen muss.
Glücklicherweise steht die Schweizer Regierung damit bislang weitgehend allein da. Den verbotsfreundigen konzernfreundlichen Ausdruck «ambush marketing» finde ich bei Google nur 133′000 mal. Das gute alte anarchische «guerilla marketing» kommt immerhin auf 1′400′000 Einträge. 10:1 für die Revolution.
PS: Schön auch, dass ich mit i.ch-b.in auf der richtigen Seite stehe.