Pyrrhus, hiess – glaube ich – vor langen Zeiten mal ein alter Grieche, der gewonnen hat, und letztlich doch gerade nicht. Während dieser Pyrrhus aber wegen Burn-out auf der Strecke blieb («Noch so ein Sieg, und wir sind verloren.»), triumphiert in der Schweizer Werbung diese Woche wenigstens die gute Sache – wenn auch nicht ihr erster Feldherr Cary Steinmann.
Seit dieser Woche haben im Art Directors Club (ADC) sogar im Vorstand Menschen Platz, die man früher aus dem Verein draussen gehalten hat. Früher, vor gar nicht allzu langer Zeit. Wie zum Beispiel den Strategischen Planer und selbsternannten Querdenker Cary Steinmann. Der beschwerte sich im November 2004, nachdem ihn der ADC als Mitglied abgelehnt hat, in einem offenen Brief so:
Lieber ADC
Schade, schade, dass meine Bewerbung abgelehnt wurde. Erstens, weil neues Denken dem etwas muffigen Verein nicht geschadet hätte. Zweitens, weil mein Planning in der Hauptsache der Kreation hilft und zuarbeitet, sie unterstützt, motiviert, inspiriert, Strukturen aufbricht und die Köpfe durchlüftet.
Und manchmal provoziert, auch idealisiert, aber immer reduziert. Das Neue sucht, das Andere, das Überraschende. Dass dieses Denken und Arbeiten nicht in den kreativen Überverein passen soll, erstaunt. Aber dann auch wieder nicht. Neues Denken scheint zu progressiv, zu kreativ (sic!) für eine letztendlich tragisch konservative Institution. Schade, schade.
Aber so leicht geb ich nicht auf: Planning gehört in den ADC, weil der ADC gutes Planning braucht. Was statt immer nur wie. Weil gute, saubere Markenführung Planning braucht und Weltklasse-Kreation ebenso - siehe England, siehe TBWA\, BBH, Mother etc. Dort haben sie den kreativen Partner „Planning“ längstens verstanden und an die breite Brust gedrückt. Wir Schweizer hätten den Briten zum ersten Mal einen Werbeschritt voraus sein können: ADC – neu mit Planning.
Heiliger Bimbam! Wenn mein querdenkendes Ego im Wege steht, dann nehmt halt Peter Felser. Oder weiss der Geier.
Meine Ziele sind eine zeitgeistige Branche, moderne Kommunikation und am Ende gute Werbung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Herausgefordert grüsst Cary Steinmann
So oft Steinmanns Kandidatur für den ADC kritisiert wurde, und in der ADC-Festzeitschrift FAKES im Januar 2005 auch bös verspottet: Von der Kreativschule des ADC wurde er für die Saison 2004/2005 als Dozent verpflichtet. Und mit seiner Sache sollte er nicht mal zwei Jahre später Recht bekommen.
Statt Steinmann selbst ist es nun auch nicht Peter Felser geworden, wie Steinmann in seinem offenen Brief ersatzweise vorgeschlagen hatte. Dafür nimmt jetzt mit David Allemann ein Stratege sogar im Vorstand des ADC Platz. (Allerdings, wenn ich das richtig verstanden habe, nur mit einer halben Kollegial-Mitgliedschaft.) Der ADC selbst nennt das einen «radikalen Kurswechsel». Vermutlich weitgehend entlang der offiziellen Verlautbarung berichtet das persoenlich.com hier.
Ironie der Geschichte, dass Steinmann, der im November 2004 in seinem offenen Brief noch schrieb «So leicht gebe ich nicht auf» nur wenige Tage zuvor Gerüchte bestätigt hat, er werde der Agentur TBWA den Rücken kehren wird. Und wenn man diese Aussage hier liest, auch gleich der Schweiz, oder der Werbung, oder beidem:
“Der Schweizer Markt ist zu klein, als dass grosse internationale Auftraggeber hier ihre Kampagnen entwickeln lassen.” Während andernorts die Kampagnen konzipiert würden, müssten sich Schweizer Agenturen damit begnügen, lokale Adaptionen und Below the Line-Massnahmen, wie Kunden-Wettbewerbe etc. auszuarbeiten.
“Das hat mich einfach nicht mehr interessiert”
Welche Herausforderung er im kommenden Herbst annehmen wird, schreibt das persoenlich.com weiter, habe Steinmann zum heutigen Zeitpunkt noch nicht entschieden. Habt ihr einen Vorschlag für einen ungeduldigen Visionär? Was meint ihr: Welchen Job sollte Pyrrhus Steinmann machen?
# Durchschnittswerber on May 12th, 2006
Der gute Cary sollte mal nicht nur Aussagen reduzieren, sondern auch sein Ego, dann würde man ihn vielleicht irgendwo länger aushalten als paar Monate. Kritik an Anderen hat noch niemandem die eigene Leistung erspart.
# Arne Völker on May 14th, 2006
@ Durchschnittswerber: Verstecken hinter Pseudonymen mag okay sein, hinter erfundenen e-Mail-Adressen nicht. — Du hast 48 Stunden, dich zu identifizieren, sonst lösche ich diesen Kommentar. Dass er überhaupt noch hier steht, liegt daran, dass ich dir durchaus zutraue, dass deine Meinung mit der eines grösseren Teiles der Branche übereinstimmt. — Ansonsten lösche ich die Beiträge von Menschen, deren Mail-Adresse nicht existiert, sofort. — Für alle anderen: die Domain durchschnittswerber.com kann man noch kaufen, wie auch alle deutschsprachigen Top-Level-Domains dieses Namens.
# cary steinmann on August 9th, 2006
eigentlich sollte ich mich da raushalten.
aber nur der guten ordnung halber: ich habe beim marketingpabst prof. dr. richard kühn studiert und promoviert, ich hab 88 das planning in der schweiz eingeführt, ging durch etienne aebis starschule, war 7 jahre geschäftsführer bei scholz & friends in hamburg, habe wirz 01/02 mit sunrise mit vor dem tod bewahrt, bin präsident der 25 köpfigen account planning group und habe bei tbwa coop nicht halten können so dass sie zu ksb/sj übergelaufen sind. konsequent wie immer hab ich die reissleine gezogen. da sind also ein paar leistungen versteckt und da nervt es mich schon, von leuten, die mich nicht mal persönlich kennen und weil sie nie dort waren, wo der bär steppt blöd angemacht zu werden (siehe adc festschrift etc) - oder eben hier. sie es ein tränkle oder ein durchschnittswerber oder oder. tut doch selber mal was für die branche, bewegt was, verändert was. ich hab für den bsw zig seminare gehalten und leute ausgebildet, was im schulrat und in der jury und dozent der adc-bsw-kreaschule, habe fürs sawi auf der bühne gestanden usw etc.
gopf!
und nun?!
ich werde hochschuldozent.
genau.
ich werde künftige pm’s und marketingleiter auf kundenseite noch fitter machen, auf dass sie den vielen dünnbrettbohrern auf der agentur- und insb. konzeptseite noch mehr auf die finger gucken und schlagen.
und nochwas:
ich hab ein schreiben vom adc-präsident vorliegen. ich werde aufgenommen.
hahaha.
ganz viele grüsse an alle “kreativen”.
c.