Der Web-Hype ist wieder da, nur diesmal anders. Denn weil sich Privatanleger gerade erst langsam wieder daran gewöhnen, ihr Geld an die Börse zu tragen, ist jetzt die Stunde der Grosskonzerne gekommen. Die Gründung eines erfolgreichen Start-ups endet daher heute nicht mehr mit dem grossen Börsengang – die Gründung endet mit dem Verkauf an Google, Yahoo, eBay.
Gewinner der Lotterie «Web 2.0» dieser Woche ist writely.com (über das ich vor kurzem hier bereits geschrieben habe) – verkauft an Google. Aber für wie viel eigentlich? Das Handelsblatt spricht von 10 Millionen Dollar. Was deutlich weniger ist, als früher bei IPOs herauskam – aber immer noch ein ordentlicher Lottogewinn.
(Danke Robert für die Entdeckung dieser schönen Metapher von Russell.)
Gutscheine sind out. Zu vielen Menschen sind ihre Gutscheine der Deutschen Bahn, billig geschossen bei Aldi, ungenutzt verfallen – und gerade wiederholt sich die Geschichte mit den Fulggutscheinen der Schweizer Airline Helvetic: Gestern war im ronorp.ch der 99-Franken-Gutschein mit Verfall 31.3. für 50 Franken zu haben. Und hier bei ebay steht der 19-Euro-Gutschein mit Verfall 30.6. auf CHF 12.52
Was läge da für den cleveren Marketer näher, sich die Kunden nicht um Gutscheine kloppen zu lassen, sondern gleich direkt um Geld? Die deutsche Supermarkt-Kette Plus macht’s vor und macht einen gigantischen Rummel um zweitausend 100-Euro-Scheine, die sie zum Preis von 89.- Euro verkauft.
PS: Wenn Notenbanker behaupten, die Zeit des billigen Geldes sei vorbei, dann irren sie. Die Zeit des billigen Geldes beginnt gerade erst.
«Die perfekte Führungskraft gibt es nicht – und wer nach Vollkommenheit strebt, hat schon verloren.»
Das hat mir der Klappentext versprochen – und wild entschlossen, zwar nicht perfekt zu sein, aber gerade deshalb in weniger Zeit mehr zu vollbringen, war dieses Buch meins.
Ein bisschen habe ich es auch deshalb gekauft, weil Fredmund Malik, immer wenn ich ihn in Talkshows gesehen habe, irgendwie so kultiviert seriös wirkt. So wie Björn Engholm zum Beispiel oder Helmut Schmidt. Dass Managementgurus davon sprechen, Führungskräfte sollten nicht perfekt sein, das mag ja noch angehen. Aber dass so ein distinguierter Elder Statesman wie Malik das sagt?
Beim Lesen haben ich dann zuerst einmal Maliks Credo entdeckt, dass Effizienz nur bedeute, etwas richtig zu tun. Aber noch lange nicht zu Effektivität führe – also dazu, das Richtige zu tun. Was ich auch gerne erzähle, seit ich diese Weisheit irgendwo mal aufgeschnappt habe. Was mir Malik gleich noch mal viel sympathischer macht. Und was mich empfänglich macht dafür, aus seinem Buch nicht nur viel über Aufgaben und Werkzeuge zu lernen, sondern auch über Grundsätze und Werte. Denn dieses Buch entwickelt ungefähr den gleichen Sog wie ein John F. Kennedy, wenn der fordert: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Sondern was du für dein Land tun kannst.
Lange schon habe ich niemand mehr so geschliffen von Grundsätzen reden hören und so in sich selbst ruhend urteilen über richtig und falsch. (Vermutlich wollte ich auch lange aktiv nichts von solchem Erwachsenenkram aus den 50er-Jahren hören.) Malik selbst behauptet, seine Haltung sei liberal. Weil ich aber mich liberal finde, ist er irgendwie schon konservativ. Bin ich das jetzt – nach sieben Tagen – auch geworden?
Wer Malik selbst ausprobieren will: Lest hier sein Plädoyer gegen Neoliberalität im Cicero. Und das Buch könnt ihr gleich bei amazon.de oder books.ch bestellen.
«Ich glaube nicht daran, dass Indien je eine weltweit tätige Werbeagentur hervorbringen wird, die, nur weil sie billiger ist, fähig sein wird, internationale Kunden zu bedienen»
Man muss sich die Worte von Maurice Levy, Chef der Publicis-Gruppe, mit denen
persoenlich.com ihn heute zitiert mal auf der Zunge zergehen lassen. Nö, nur weil Inder billiger sind, wird niemand zu ihnen outsourcen, da hat er sicher recht. Aber was, wenn die Inder ausserdem gut sein sollten?
Warum aber gründet Levy dann nicht nur Niederlassungen, wie es im persoenlich.com heisst, sondern kauft auch gross ein? (Zum Beispiel den Marketingdienstleister «Solutions») oder expandiert überhaupt?
Vielleicht, weil der indische Binnenmarkt so schnell wächst. Aber vielleicht auch, damit die indische Werbeagentur, die dann doch bald internationale Kunden betreut, keine indische Agentur ist, sondern eine internationale unter französischer Leitung? «Honi soit qui mal y pense», sagte schon Walter Ulbricht. Oder war von dem dieser Spruch hier?
«Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.»
Startuhren sind schon seit langem Geräte, die man im Wettkampfsport einsetzt. Also überall dort, wo Sportler in Bewegung gesetzt werden. Genauso, wie ein Countdown auf den Abschuss einer Rakete hin zählt.
Nun ist das Wort «Startuhr» auch das Ergebis der Aktion, auf das ich seit dem 14. Februar gewartet habe. Da war nämlich der Einsendeschluss der letzten Runde der Aktion «Lebendiges Deutsch» – und gesucht war ein deutsches Wort als Ersatz für «Countdown».
Ich hatte «Frist» vorgeschlagen (siehe auch «Letzte Frist für den Countdown»), ein super Wort für all die Fälle, wo ein Countdown läuft und also Zeit bis zum Handeln abläuft. Aber in Deutschland, einem Land, in dem ab sofort alle Gläser halbvoll sind und nie wieder halbleer scheinen werden, braucht es natürlich nicht nur ein kurzes und gutes Wort als Ersatz – nein: es braucht auch ein optimistisches Wort.
Und optimistisch, nun, das ist die Startuhr. Weist sie doch den Weg zu neuen Rekorden. Oder gar zur Weltmeisterschaft?
PS: Bis zum 14. März geht die nächste Runde, gesucht ist Ersatz für «Blackout» – und zwar nicht in der Bedeutung «Stromausfall», die ist ja klar; sondern für eine kurze Bewusstseinsstörung. Vorschläge an deutschesprache@gmx.net. Oder an mich, gleich hier in den Kommentaren.
10 Jahre nach der Reform kommt die Reform: die neue Rechtschreibung wird jetzt noch neuer. Oder wird sie ein bisschen älter? So nämlich scheint es. Was jetzt eher mit Erleichterung als mit Jubel aufgenommen wird, ist eine Versöhnung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Endlich muss sich niemand mehr ganz verweigern, nur weil die ursprüngliche Rechtschreibreform schlecht war. Oder eine Reform hochhalten, die den Namen nicht verdient hatte.
Was ich jetzt allerdings Gross und was klein schreiben soll, und ob ich zusammenschreiben doch lieber getrennt schreibe, das weiss ich immer noch nicht. Für Schüler gibt es – irgendwer jubelt eben doch! – wieder ein Jahr General-Amnestie. Die will ich für mich auch!
Hier mehr lesen: NZZ online. Oder dieses Video gucken: ARD Nachtmagazin
Ihr kennt das Paradox von Magritte, das eine Pfeife zeigt und gleichzeitig behauptet, es sei keine Pfeife? Nun, so ist das hier auch: Dieses Banner ist keine Werbung. Sondern ein Beispiel aus einer Kampagne, an der ich getextet habe:
Falls allerdings jemand von meinen Lesern in Deutschland aber gerade ein neues Handy braucht oder seine Gespräche nicht mehr nach Minuten bezahlen möchte, nun, für diesen Fall ist ceci eben doch une publicité. Einfach draufklicken, und ich werde nicht nur fürs Texten bezahlt, sondern fürs Verkaufen gleich noch einmal. Das nenne ich Synergien!
Am 02.03.2006 um 11:10 schrieb Peter Brönnimann:
Ja, jetzt werden Longcopys nicht mal mehr von Textern gelesen.
:-))
Schöne Tag, Peter Brönnimann
Sie schreiben lieber. Manchmal zu schnell. Darum: Asche auf mein Haupt.
(Und den Artikel unten drunter am besten gar nicht erst lesen…)
Nicht nur in der Politik fällt es heute schwer, rechts und links sauber auseinanderzuhalten. Nein, auch in der Mode ist es schwierig geworden. Da empfiehlt doch der Schweizer Herrenausstatter Herren Globus Kunden und solchen, die es werden sollen, extra im Rahmen eines Bekleidungsworkshops, Männer von Welt trügen die Gürtelschnalle links - im Gegensatz zu Frauen, die sie rechts tragen.
Und was passiert dann? In der Werbung für diesen Bekleidungsworkshop trägt die Banderole, die Werbeagentur Spillmann, Felser, Leo Burnett um das Wirtschaftsmagazin Bilanz wickelt, den Gürtel auf welcher Seite? Genau: Rechts! (gesehen in persoenlich.com)
(Da ich selbst manchmal Schwierigkeiten habe, rechts und links zu unterscheiden: Vielleicht trägt auch das Model auf der Site bekleidungsworkshop.ch den Gürtel auf der falschen Seite. Was ich aber durchaus unterscheiden kann: Auf beiden Fotos sitzt der Gürtel jeweils anders.)
Die Frage bleibt: Welcher von beiden Gürteln nun sitzt richtig? Kann mir da vielleicht mal jemand helfen?
Das Satiremagazin «Nebelspalter» wird in der Ausgabe, die morgen, Donnerstag, erscheint, die globale Karikaturen-Diskussion auf eine neue Ebene führen: Mohammed-Karikaturen jetzt islam-kompatibel, weil ohne Bild von Mohammed.
